Tipps für den Gitarrenkauf



Werden Gitarrenkurse von oder in Kooperation mit Musikschulen ausgerichtet, so können die Kursteilnehmer*innen meistens auch kostengünstige Leihgitarren erhalten. 

Weil Leihgitarren jedoch oft den Besitzer wechseln und auch der sorgsame Umgang mit einem Instrumet erst gelernt werden muss, sind diese oft nur von zweiter Qualität. Um Eltern, die am Kauf einer Gitarre für ihr Kind interessiert sind, die Kaufentscheidung etwas zu erleichtern, habe ich die wichtigsten Hinweise hier niedergeschrieben:


Größe der Gitarre: Je nach Körpergröße sollte die Gitarre einen passenden Steg-Saitenabstand (Mensurlänge) haben.

a) Bei einer Körpergröße von 120 – 140 cm und einem Alter von ca. 6-9 Jahren: 1/2-Gitarre Mensurlänge von ca. 53 bis 55 cm 

b) Bei einer Körpergröße von 130 – 150 cm und einem Alter von 9 -13 Jahren: 3/4-Gitarre mit Mensurlänge von ca. 59 bis 62 cm

Falls sie sich trotzdem nicht entscheiden können: Generell finde ich es besser eine zu kleine als eine zu große Gitarre zu haben. Schließlich können auch Erwachsene auf kleinen Gitarren spielen (z.B. auch auf einer Ukulele). Das Spielgefühl leidet in der Regel eher unter einer zu großen Gitarre. 

c) Für großwüchsige Kinder mit einer Körpergröße von 140 – 160 und einem Alter von 11 – 14 Jahren: 7/8-Gitarre. Diese Größe ist jedoch nicht in jedem Handel erhältlich. 

d) Für Jugendliche und Erwachsene mit einer Körpergröße von über 150 cm : 4/4tel Gitarre mit Mensurlänge 63 – 65 cm Im Zweifelsfall sollte sich auch hier je nach Länge der Arme und Finger für das nächst kleinere Modell entschieden werden.

Linkshändergitarren: Da auf längere Sicht hin, beide Hände von Gitarrist*innen gleichermaßen gefordert werden und gerade bei Anfängern noch keine Instrumentspezifischen Fähigkeiten bezüglich Koordination und Beweglichkeit vorhanden sind, ist eine spezielle Linkshändergitarre nicht unbedingt von Vorteil. 

Kostenfaktor: Eine Grenze nach oben gibt es selbstverständlich nicht. Allgemein lässt sich jedoch beobachten, dass die Qualität der Gitarren im Verhältniss zum Preis enorm gestiegen ist. Eine gut klingende und bespielbare Kindergitarre ist schon unter 100 Euro zu erhalten.

Teurere Instrumente ab einer Preisklasse von ca. 300 EURO haben eine bessere Verarbeitung und bestehen aus hochwertigerem Holz. Je edler und massiver das Holz ist, desto höher ist dann auch der Preis. Solche meist handgefertigten Instrumente eignen sich jedoch eher für den Kleingruppen- oder den Einzelunterricht in der Musikschule, da hier eine Gefahr der Beschädigung durch Unachtsamkeit und rege Interaktion im Klassenraum wesentlich geringer ist.

Generell gilt: preisbewusst einkaufen. Aber wenn es sich um "wenige Euros" handelt, niemals den Preis der Qualität vorziehen.

Gebrauchtgitarre: Wer Zeit und Geduld hat kann sich auch nach einem gebrauchten Instrument umschauen. Fragen Sie ... - ... den Gitarrenlehrer des Kurses bei dem Ihr Kind angemeldet ist, ob ein Kind aus dem vorangegangene Kurs seine Gitarre verkaufen möchte - ... im Bekanntenkreis ihres Kindes. Vielleicht hat ein Freund schon mal Gitarre gespielt ... - ... die ortsansässige Musikschule nach geringfügig reperaturbedürftigen Instrumenten - ... Gitarrenläden nach Gebrauchtinstrumenten ... Da für Gitarrenanfänger und unerfahrene Käufer bei der Begutachtung gebrauchter Instrumente meistens keine große Auswahl und Vergleichsmöglichkeiten vorhanden sind, ist es in jedem Fall ratsam eine erfahrene Person mitzunehmen! Die folgenden Punkte sind beim Kauf einer Gebrauchtgitarre aber auch bei Neugitarren zu beachten: Achten Sie darauf, dass ...

- ... die Gitarre die richtige Größe hat. (s.o.)

- ... der Hals gerade ist (vom Steg aus über das Schalloch und Griffbrett hinweg zum Sattel schauen) und weder zu breit noch zu schmal ist. Je breiter der Hals ist, desto weiter ist der Abstand der Saiten zueinander. Für Menschen mit verhältnissmäßig großen Händen kann ein größeren Saitenabstand ein besseres Spielgefühl ergeben.

- ... die Saitenlage (der Abstand der Saiten vom Griffbrett) im 12. Bund nicht höher als maximal 6 mm ist. Zwar kann die Saitenlage durch den Austausch oder Abschleifen von Steg und Sattel enorm verbessert werden, doch das ist leider nicht bei jeder Gitarre der Fall und sollte dann auch nur von einem Fachmann vorgenommen werden! 

- ... der Korpus (der Klankörper der Gitarre) keine Risse oder Kratzer hat. Kratzer wirken sich zwar nicht auf dem Klang aus könnten aber dennoch eine Verhandlungsbasis begünstigen. Ein Instrument ist auch etwas für's Auge!

- ... die Mechaniken und alle Metallteile der Gitarre OK sind. Diese sollten stabil sein, keine Bruchstellen haben und nicht angerostet sein. Die Mechanik muss sich außerdem leicht und ohne Nebengräusche drehen lassen.

- ... sich die Gitarre gut stimmen lässt (vom Verkäufer stimmenlassen) und gegriffene Töne im 12. Bund jeder Saite eine Oktave zur jeweiligen Leersaite ergeben ("Bundreinheit"). Das ist für Anfänger jedoch nur schwer zu erkennen (evtl. Stimmgerät mitnehmen)

- ... die Bundstäbe keine Einkerbungen haben, angerostet sind oder zu weit über den Rand des Gitarrenhalses stehen.

- ... die Gitarre weder beim Anschlagen der Leersaiten, noch bei irgendeinem gegriffenen Ton scheppert oder irgendwelche merkwürdigen Nebengeräusche verursacht.

- ... die Gitarre mit neuen eingespielten Saiten bespannt ist. Die Qualität der Saiten haben neben der Verarbeitung und dem Holz des Instrumentes einen wesentlichen Einfluss auf den Klang der Gitarre. Bei einer alten Gitarre mit angerosteten oder felhlenden Saiten ist ein Urteil über deren Klang schwer zu fällen.

Achtung: Lassen Sie sich auch für den Kauf eines gebrauchten Instrumentes eine Quittung geben und machen Sie mit Ihrem Verkäufer einen Vertrag, in dem Ihnen ein 30-tägiges Rückgaberecht ohne Angabe von Gründen und mit voller Rückerstattung des Preises gewährt wird.


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